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Die Baugeschichte  
   

Die nachfolgenden Informationen basieren hauptsächlich auf Quellen, welche Arnold Flammer, dipl. arch. ETH/SIA, für eine Broschüre anlässlich der Renovation im Jahre 1993 erarbeitet hat.

Ausschnitt Stadtkarte

Ausschnitt Stadtkarte mit
Haus zum Pelikan Schmiedgasse 15

 

1409
Laut Lehenbuch der Stadt St. Gallen besitzt Blasius Bregenzer an der Schmiedgasse ein Haus mit Garten; wahrscheinlich handelt es sich um die beiden früheren Grundstücke des heutigen Pelikans.

1418
Dem grossen Stadtbrand im April fällt fast die ganze Stadt zum Opfer; vermutlich wird am Standort des Pelikans ein eher einfacher Ersatzbau errichtet.

1419
Erneute Erwähnung von Blasius Bregenzers Garten östlich der Badstube.

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Baugeschichte 15. Jahrhundert

1452
Bau eines neuen Hauses auf der östlichen Grundstückhälfte anstelle des wohl 1418 errichteten einfachen Ersatzbaus. Auf einem gemauerten Sockelgeschoss über einem Gewölbekeller erhebt sich ein zweigeschossiger Bohlen-Ständerbau mit steilem zweigeschossigem Kehlbalken-Pfettendach und einem gassenseitigen Aufzuggiebel.

Das Haus misst in der Breite 25' (Schuh), in der Tiefe 42', die Geschosshöhe beträgt je 10'. Es werden auch Hölzer eines Baus von 1418 wiederverwendet.

1459
Im Garten an der Westseite wird eine eingeschossige Mange, vermutlich mit Pultdach, angebaut, deren eichene Balkenlage noch erhalten ist.

1460
Zum ersten Mal erscheint Lienhard Merz zuverlässig als Hauseigentümer in einem Urteilbrief über einen Streit unter Nachbarn. (Lienhard Merz, Pulvermacher, Ratsherr, Stadtammann und Bürgermeister in den Jahren 1490, 1493, 1496, 1503 und 1506.

Urteilsbrief

1482
Lienhard Merz trifft eine Übereinkunft mit den Schwestern der St. Johannesklause wegen deren Neubaus.

1498
Lienhard Merz nimmt verschiedene bauliche Erweiterungen vor:

  • Dachaufbau über dem Kehlgebälk mit einem neuen eigenen Dach; dadurch erhält das Haus auf halber Dachhöhe einen Absatz mit einer Sichtfachwerk-Fassade. Dieser Aufbau ist fast unverändert erhalten.
  • Waschhaus mit Aufbau am östlichen Rand des Hinterhofs, was zu einem Streitfall mit den Klausnerinnen führt, weil er ihnen mindestens ein Fenster verbaut. Anbau an die Sakristei von St. Johann am westlichen Rand des Hinterhofs, womit dort ebenfalls das "Gesicht " verbaut wird. Auf Beschluss des Rates muss Merz diesen Anbau wieder "dannen thun."
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Baugeschichte 16. Jahrhundert

1504
Merz kauft von Michael Kobler die Mange auf dem westlich angrenzenden Garten.

1506
Nach dem Tod von Lienhard Merz geht die Liegenschaft an seine Söhne:

  • der älteste, Leonhard, wirkte ab 1502 einige Jahre als Professor der Poetik an der Universität Leipzig (identisch mit dem Sohn Lienhard, Doktor der Rechte und Oberrichter in Magdeburg?)
  • die übrigen Söhne, zuerst zwei zusammen, dann Anthoni, dann Gallus und schliesslich Joachim und dessen Sohn (im Jahre 1532) verloren alle ihr Leben in Ausübung ihres Berufes als Pulvermacher (Sabbata, Seite 389 ff.)

 

1550
Bau des zweiten Hauses auf dem Gartengrundstück unter Einbezug der Grundmauern und der Balkenlage der Mange. Im Unterschied zum älteren Bau wird der neuere nicht unterkellert, sondern auf Pfählen fundiert; die Geschosse messen zunächst nur je 8 1/2 ', in der Höhe. In der Breite misst der Bau beinahe 25', in der Tiefe jedoch 45', weil die Mange 3' weiter in den Hof zurückreicht. Möglicherweise ist es die Familie Högger, die diesen Neubau errichtet)

1568
Zusammenfassung der beiden Häuser:

  • das erst 18 Jahre alte westliche Haus wird in der Höhe dem älteren angepasst und das Fachwerk neu ausgemauert.
  • das ältere östliche Haus wird in den Hof hinaus um 3' erweitert und damit eine durchgehende Hoffassade erreicht.
  • die Trennwand zwischen den beiden Hausteilen wird in den Obergeschossen beseitigt.
  • unter Beibehaltung der Dachstühle werden beide Bauten um ein Geschoss erhöht (heutiges 3. OG)
  • im 2. Obergeschoss werden die mittleren Räume gegen die Gasse und gegen den Hof in je mit einer leicht gewölbten spätgotischen Balken-Bohlendecke ausgestattet, die aber vermutlich 1707 wieder verloren gehen.
  • kleine Keller-Erweiterung aus dem Gewölbekeller gegen Westen.

Das derart umgebaute Gebäude erhält einen roten Anstrich auf dem sichtbaren Fachwerk; an den Reihenfenstern des 1. OG werden wohl bunt gefasste Zugladenlätze angebracht.

Nordfassade 1568 -ca.1600
Nordfassade 1568 -ca.1600

1571
Hans Schlumpf (1541-1592), 1568 verheiratet mit Sabina Zollikofer (1545-1585), einer Enkelin Vadians, wird zum ersten Mal als Eigentümer des Pelikans erwähnt. Vielleicht hat er beide Häuser auf seine Heirat hin erworben und vereininigt.

1589
Hans Schlumpf erwirbt die gegenüberliegende ehemalige Johanneskirche von der Stadt auf Abbruch und errichtet dort sein neues Wohn- und Geschäftshaus, das "Grosse Haus" (heute Stadthaus der Ortsbürgergemeinde St. Gallen).

1592
Der Pelikan gehört vermutlich Hans Schlumpf (1568-1611), dem Sohn des vorigen, dann wiederum dessen Sohn, ebenfalls mit Namen Hans (1597-1644).

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Baugeschichte 17. Jahrhundert

1635
Das Haus gehörte vermutlich Gordian Zollikofer (1577-1651), Neffe von Sabina Schlumpf-Zollikofer. Erneuerung des Wasch- und Badehauses im Hof als überwölbtes Erdgeschoss mit darüberliegendem Aufbau (vgl. 184 und 1869).

1655
Hans Bartholome Zollikofer (1619-1691), Sohn des Gordian.

1676
Beim Konkurs der zollikoferschen Handelsgesellschaft "Zum Löwenkopf" gelangt der Pelikan in die Konkursmasse, dann aber wieder ins Eigentum des Hans Bartholome Zollikofer.

In dieser Zeit scheinen unabhängig vom jewiligen Eigentümer verschiedene Zollikofer im Pelikan gewohnt zu haben.

Ebenfalls in dieser Zeit müssen die barocken Deckenmalereien in fünf verschiedenen Räumen des 2. und 3. OG geschaffen worden sein.

1694
Dr. Christoph Hochreutiner-Zollikofer (1662-1742), Ratsherr und Gerichtsschreiber, dann Bürgermeister.

1699
David Huber (1677-1733)

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Baugeschichte 18. Jahrhundert

1707
Erkerbewilligung. Am 24. Juni erhält David Huber die Bewiligung, "an seinem Haus an Schmidgass 2 Erggel obeinander hinsetzen zu lassen". (Bauprotokoll 1707, 24. Juni). Der Erker dürfte im folgenden Jahr fertiggestellt worden sein und trug von Anfang an einen hellgrauen Oelfarbenanstrich. Die Krokodilkonsolen, die darin steckenden flatternden Vögel und die männlichen Halbfiguren sind Duplikate vom Erker am Hoffmann'schen Haus Hauptstrasse 53 in Roschach aus dem Jahre 1700. (Erker noch vorhanden, Figuren im Kornhausmuseum.) Diese Duplikate wurden etwa 1704/05 geschaffen, lagen also bereits in der Werkstatt des Holzbildhauers. (Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Johannes Friedrich, 1663-1731).

Das damals noch sichtbare Fachwerk erhielt einen grauen Anstrich. Wohl gleichzeitig, vielleicht aber auch erst 1719, werden die Wände östlich des Erkers versetzt und damit die heutige harmonische Zimmerflucht geschaffen.


Nordfassade 1707 - 1817

1722
Erasmus Zollikofer (1677-1740), Stadtrichter. Kaufvertrag vom 23. Mai 1722; als Verkäufer tritt Hans Jacob Högger de Billaire auf, der Schwiegersohn von David Huber.

1733
Caspar Scherrer (1691-1757). Kaufvertrag vom 12. Dezember 1733; erstmals wird das Haus "Zum Pelikan" genannt.

1749
Nach Caspar Scherrers Bankerott geht der Pelikan an seine Ehefrau Elsbeth Locher (1703-1762).

1762
Nach deren Tod geht der Pelikan an ihre Tochter Maria Salome Scherrer (17132-1805) und deren Ehemann Pfarrer Hans Jakob Hartmann (1730-1803).

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Baugeschichte 19. Jahrhundert

1805
Georg Leonhard Hartmann, Kaufmann (1767-1832). Kaufvertrag vom 25. Juli 1805; Übernahme aus Erbengemeinschaft. (Stadtarchiv (Vadiana) St. Gallen, Archiv des Kaufmännischen Direktoriums, C, 2, 36,4)

1817
Renovation. An der Schmiedgass-Fassade wird im westlichen Bereich des 3. OG der alte Giebel von 1550 abgebrochen und durch eine Verlängerung der Aufstockung von 1568 ersetzt; damit erst entsteht die ebenmässige stattliche Fassade. Sehr wahrscheinlich wird auch zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal ein deckender Verputz aufgetragen. Vermutlich gleichzeitig erhält die obere Erkerstube einen klassizistischen Innenausbau, der heute noch erhalten ist.

 

Nordfassade 1817 - 1869
Nordfassade 1817 - 1869

1832
Ursula Girtanner(1772-1847), Witwe des Georg Leonhard Hartmann.

1842
Kaufmännisches Directorium. (Kaufvertrag vom 24. Februar 1842, Stadtarchiv (Vadiana), Archiv des Kaufmännischen Directoriums, C, 2, 36, 5). Infolge erhöhtem Raumbedarfs für den Postbetrieb im "Grossen Haus" erwirbt das Kaufmännische Directorium den gegenüberliegenden Pelikan und unterzieht ihn einer Aussenrenovation, renoviert das Waschhaus im Hof, schafft einen internen Kellerabgang und richtet im EG das Fahrpostbureau (mit Schalter im Hofdurchgang) ein, wobei die Mittlere Schiedmauer der beiden Haushälften im EG durchbrochen wird. Im 1. OG werden Büros und ein Sitzungszimmer eingerichtet; die Wohnung im 2. OG wird frisch gestrichen (dabei erhält das Holzwerk im Erkerzimmer einen mehrstufigen grünen Anstrich).

1868
Ortsbürgergemeinde St. Gallen (Seckelamt). Kauf ein Jahr nach dem Erwerb des Grossen Hauses. Im gleichen Jahr noch ersteigert Ambrosius Dinser, Draineur in St. Fiden, den Pelikan und veranlasst in der Folge verschiedene Umbauten:

  • Neubau eines separaten, durchgehenden Treppenhauses mit Aborten und Abbruch der ursprünlichen, innenliegenden Treppen.
  • Abbruch des Waschhauses im Hof
  • Ausbruch einer Türöffnung unter dem Erker
  • Installation der Gasbeleuchtung

Ab etwa 1880 betreibt Dinser eine Möbelhandlung.

Nordfassade 1869 - 1905
Nordfassade 1869 - 1905

1892
Carl August Dinser, Sohn des Ambrosius, Möbelschreiner, übernimmt die Liegenschaft und das väterliche Geschäft.

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Baugeschichte 20. Jahrhundert

1905
Aussenrenovation an der Schmiedgass-Seite mit ockergelbem Verputz mit Dekorationsmalereien und Reklamebeschriftungen; gleichzeitig wird wohl der Erker abgelaugt und das naturfarbige Holz lackiert und teilweise leicht farbig gefasst. Totalbumbau im EG mit grosszügiger Schaufensterfront; im 1. OG werden die seitlichen Fenster als Schaufenster bis auf den Boden vergrössert. Bei diesen Umbauarbeiten geht im EG und 1. OG wohl viel historische Substanz verloren.
Nordfassade 1905 - 1937
Nordfassade 1905 - 1937

1908
Anschluss an die städtische Kanalisation.

1924
Kurzfristig gehört der Pelikan Werner Klarer.

1925
Hans Frank-Frischknecht (1886-1959) erwirbt den Pelikan und führt darin ein ähnliches Geschäft wie die Vorgänger Dinser (Geschäftshaus mit Wohnung, Korbflechterei und Lackiererei).

1929
Hans Frank erwirbt von der Ortsbürgergemeinde St. Gallen einen Teil der Parzelle Nr 484 (Stadthaus der Ortsbürgergemeinde), nämlich die Fläche des Hofzugangs und Erweiterung des Ladens im EG.

1937
Eingreifende Umbauten im EG mit statischen Sanierungen früherer Stahlträger-Abfangungen und fast vollständig verglaster Schaufensterfront; Reparatur des Kellergewölbes im östlichen Hausteil und erstmals Unterkellerung des westlichen Hausteils, der auf Pfählen fundiert war. Fassadenrenovation auf Seite Schmiedgasse. Einbau einer neuen Heizzentrale mit Anschluss von einigen Nachbarliegenschaften.

Nordfassade 1937 - 1992
Nordfassade 1937 - 1992

1959
Nach dem Tod von Hans Frank geht der Pelikan an seine Erbengemeinschaft. Das nach dem Krieg in "Storchenhaus" umbenannte Geschäft wird von Erwin Eigenmann übernommen. Im westlichen Teil des EG besteht eine Filiale des Konsumvereins.

1969
Ortsbürgergemeinde St. Gallen.

Nach dem Umzug des "Storchenhauses" an die Neugasse ergeben sich etliche Mieterwechsel; die früheren sehr primitiven Produktionsräume im 3. OG werden nicht mehr benutzt, resp. zeitweise an Pfadfinder vermietet.

1982
Der teilweise beschädigte und vergraute Erker wird repariert, gereinigt und mit einem Holzschutzmittel behandelt.

1992/93
Umfassende Gesamtrenovation innen und aussen inkl. Restaurierung des Erkers in der ursprünglichen grauen Fassung. Vollständig neues Treppenhaus mit Lift anstelle desjenigen von ca . 1870. Die Innenrenovation umfasst eine vollständige Restaurierung der Dachkonstruktion, der eine statische Sanierung und Anhebung der OG vorangeht. Grossflächige barocke Deckenmalereien in insgesamt 5 Räumen werden freigelegt und soweit erforderlich ergänzt und bereinigt.

Das gesamte Gebäudevolumen wird einer reichhaltigen Nutzung zugeführt:

  • Café mit Confiserie im EG und Nebenräume im UG
  • Kunstgalerie im 1. OG
  • Büros im 2. OG
  • Zwei grosse Dachwohnungen im 3. OG und in den Dachgeschossen.
Nordfassade aktuell
Nordfassade aktuell




 
 
   
  
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