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Städtische Urkunde  
   

Städtische Urkunde 591

Die abgebildete und gut erhaltene, mit den Siegeln von Augsburg, Ulm, Konstanz und Esslingen bekräftigte Urkunde stammt aus dem Staatsarchiv Basel. Sie führt die weiten Beziehungen St.Gallens im Spätmittelalter vor Augen.

Am 2. Juni 1384 bestätigten die freie Reichsstadt Regensburg und 35 Reichsstädte in Schwaben, darunter St.Gallen und Wil, ihren Bund mit dem Bischof, dem Hochstift und der Stadt Basel. Seit 1312 ging St.Gallen immer wieder Bündnisse mit anderen Obrigkeiten ein. Der Grossteil der Bündnispartner waren Städte aus dem süddeutschen Raum. Der Bodensee war zu jener Zeit mehr verbindend als trennend, St. Gallens Handelsbeziehungen über den See waren intensiv. Modern ausgedrückt existierte bereits damals eine Euregio Bodensee.

Welchem Zweck dienten nun diese Bündnisse? Städtebünde waren Verbindungen von Städten, die gemeinsame politische und wirtschaftliche Interessen verfolgten. Als wichtigstes gemeinsames Ziel wird in den Urkunden die Erhaltung des Landfriedens angeführt. Hinzu kam die gegenseitige Unterstützung: Städte wurden von ihren Herren oft gegen hohe Summen, für welche sie aufzukommen hatten, an andere verpfändet. Das bedeutete einerseits eine finanzielle Belastung und andererseits eine politische Unsicherheitssituation, weil dadurch auch Herrschaftsrechte die Hände wechselten. Gegen solche Verpfändungen wehrten sich die Städte, indem sie sich zu gegenseitiger Hilfe verpflichteten und gemeinsam und somit wirkungsvoller als alleine gegen ihre Herrschaften auftreten konnten.

Mit dem Ziel der Bewahrung des Landesfriedens waren auch wirtschaftliche Interessen verknüpft. Der Zustand des Friedens war die beste Voraussetzung für das Gedeihen von Handel und Gewerbe; dafür mussten Fehden möglichst verhindert, Strassen und Handelswege kontrolliert und gegenseitige Hilfe bei der Verfolgung von Verbrechen zugesichert werden. Hinzu kommt, dass Städtebünde in Konflikten oft als Schiedsgerichte wirkten. Schliesslich ging es auch darum, den Einflussbereich zu vergrössern und auf umliegende Gebiete auszudehnen. Der Beitritt immer neuer Städte zeigt den Erfolg. Seine grösste Ausdehnung erreichte der Schwäbische Städtebund im Jahre 1385 mit rund 40 Mitgliedern.

Die abgebildete Urkunde ist im Band X des Chartularium Sangallense ediert.




 
 
   
Transkription der Urkunde  
   

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"Wir die von Regenspurg ain frye stat vnd ouch wir des hailigen Roemischen richs stette Augspurg, Vlme, Kostentz, Esslingen, Rutlingen, Rotwile, Wile, Vberlingen, Memmingen, Bibrach, Ravenspurg, Lindow, sant Gallen, Pfullendorf, Kemptun, Kouffburren, Lutkirch, Isny, Wangen, Noerdlingen, Rotenburg vff der Tuber, Dinkelspuhel, Windshain, Wissenburg, Halle, Hailprunnen, Gemunde, Wimpfen, Winsperg, Giengen, Aulun, Bopphingen, Wile in Turgow, Buchorn vnd Buchow etc, die den bund mitainander haltend in Swaben, bekennen vns offenlich mit diesem brief vnd tuegen kunt allen den, die in ansehent oder hoerent lesen, als der hochwirdig furst vnd herre herr Ymer von Ramstain von gotes genaden bischof des bistums ze Basel mit dem cappitel vnd ouch mit dem gestifte ze Basel vnd ouch die fursichtigen vnd wisen herr Johans Puliant von Epptingen ritter der meister vnd der raete vnd ouch die burger gemainlich rich vnd arme der stat ze Basel zueo vns in vnsern punt komen sind vnd den mit vns gesworen hant ze halten ze laisten vnd ouch ze vollefueren nach vnsers bund briefs lut vnd sag ze gelicher wise vnd in allem dem rechten, als ouch wir den gemachte vnd verschriben haben, ane alle geverde etc, darumbe so haben wir jetzo mit gueotem willen vnd mit wolbedachtem sinne vnd mueot den vorgenanten vnserm herren dem bischof dem cappitel vnd gestifte ze Basel vnd ouch den vorgenanten dem meister dem rate vnd allen burgern gemainlich der stat ze Basel das jetzo gelopt versprochen vnd verhaissen geloben vnd versprechen ouch in ietzo mit rechter wissent vnd mit krafft ditz briefs bi vnsern gueoten truwen vnd vff die aide, die wir in vnserm bund gelopt vnd gesworen haben, das wir in gemainlich vnd besunder getruwelich sullen vnd wellen beraten vnd beholffen sin nach vnsers bundbrieffs lut vnd sag ze gelicher wise vnd allem dem rechten, als ob si den selben bund mit vns angefangen vnd gemachet hetten vnd als ob si mit naemlichen worten bi vns in dem selben vnserm bundbrief begriffen vnd verschriben weren, ane alle geverde.

Mit urkund ditz briefs, den wir in darumbe besigelten geben mit der vorgenanten vier stette Augspurg, Vlme, Costentz vnd Esslingen gemainen aygnen vnd angehenkten insigeln, die selben vier stette ouch das von vnser aller haissentz wegen getan vnd iriv insigel offenlich an disen brief gehenkt hant. Der geben ist des nechsten dornstags nach dem hailigen pfingstag, do man zalt nach Cristz geburt drivzehen hundert jar vnd darnach in dem vier vndachtzigostem jaure."




 
 
   
  
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